Schleimpilzarten /
Slime Mold Species

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Die Bestimmung von Schleimpilzarten

Die Bestimmung von Schleimpilzarten ist keine einfache Sache. Oftmals lässt sich eine Art nicht mit hundertprozentiger Sicherheit festlegen, besonders schwierig kann es werden, wenn man nur ein Foto zur Hand hat. Ich selbst würde mich nicht als Expertin in diesem Gebiet bezeichnen, eher als "fortgeschrittenen Laien". Für die Bestimmung von Arten habe ich mir ein paar Methoden zurechtgelegt, die ich hier teilen möchte. Zur Ermutigung: Manche Arten sind echt eindeutig!

Wonach wird bestimmt?

Hier muss zunächst differenziert werden, je nachdem was man vor sich liegen hat:

  • ein einfaches Foto
  • einen Schleimpilz "in Echt"

Die Unterscheidung ist deswegen wichtig, weil auf dem Foto in der Regel ein einziges Stadium des Schleimpilzes festgehalten ist. Hat man einen lebendigen Schleimpilz oder Sporen in der Hand, kann man mit diesem natürlich allerlei Dinge "anstellen", um ihn genauer zu untersuchen.
Nun geht die Bestimmung weiter nach dem Stadium, welches man vor sich liegen hat:

  • Plasmodium
  • beginnende Fruktifizierung
  • Skleortium
  • Fruktifikation (noch intakt, d.h. Sporen noch in Fruchtkörper)
  • "leere" Fruktifikation (Sporen schon mehr oder weniger komplett weg)

Von den Stadien "Myxamöbe", "Myxoflagellat" und "Sporen" sehe ich mal ab, da es sehr unwahrscheinlich ist, dass man so etwas einzeln findet, beziehungsweise die Bestimmung davon grenzt für Laien ans Unmögliche.
Im Folgenden gehe ich nun von einer rein visuellen Bestimmung aus, also ohne Zerlegung und mikroskopische Betrachtung etc. Somit ist nach folgenden Methoden auch eine Fotoaufnahme klassifizierbar.

Man betrachtet nun verschiedene Eigenschaften, die das entsprechende Stadium ausmachen:

  • Farben (möglichst genau!)
  • Form
  • Größe (wenn abschätzbar auf dem Foto)
  • Zustand (Schleimpilz evtl beschädigt?)
  • Oberflächenbeschaffenheiten (rau, glatt, porig, schleimig, pulvrig, faserig, ...)
  • Anzahl und Anordnung (v.a. bei Fruktifikationen)
  • Untergrund

Im Genaueren können hier Eigenschaften betrachtet werden, wie ich sie auf den Seiten zu den jeweiligen Stadien erklärt habe.

Doch zunächst zu einer Systematik der Schleimpilzarten (Quelle: wikipedia.de/Schleimpilze). Verlinkungen führen zu Alben in der Galerie, sofern ich von der Art schon Fotos habe.

SystematikClassification Scheme

UnterklasseSubclass OrdnungOrder FamilieFamily GattungGenus ArtSpecies
Myxogastria Liceida Liceidae
Listerillidae
Enteridiidae Lycogala Lycogala conicum
Tubifera Tubifera ferruginosa
Echinoste-liida Echinostelie-dae
Clastodermi-dae
Trichiida Dianemidae
Trichiidae Trichia Trichia decipiens
Trichia varia
Arcyria Arcyria cinerea
Arcyria denudata
Metatrichia Metatrichia vesparia
Hemitrichia Hemitrichia calyculata
Stemonitida Stemonitidae Lamproderma Lamproderma arcyrioides
Stemonitis Stemonitis axifera
Physarida Elaeomyxidae
Physaridae Fuligo Fuligo septica
Leocarpus Leocarpus fragilis
Badhamia Badhamia utricularis
Physarum Physarum polycephalum
Physarum virescens
Didymiidae Mucilago Mucilago crustacea
Didmerma Diderma asteroides
Didymium Didymium nigripes
Protostelia Ceratiomyxa Ceratiomyxa fructiculosa
Dictyostelia Dictyostelium Dictyostelium discoideum

Diese Tabelle ist natürlich stark gekürzt. Wer an der kompletten Systematik interessiert ist, der schaue sich die entsprechenden Wikipedia Seiten an. Nur als Beispiel: Die Familie Physaridae beherbergt etwa 250 Arten (sie ist damit die größte Schleimpilzfamilie). Das würde hier die Übersicht enorm einschränken.

Plasmodien einordnen

Bei Plasmodien spielt die Farbe und die Form eine sehr wichtige Rolle. Am einfachsten geht eine Bestimmung durch Vergleiche mit Bildern bestimmter Arten (daher auch oben die Hilfestellung mit der Verlinkung). Ich habe mal ein paar Einordnungen festgehalten, an denen man sich entlanghangeln könnte:

  • Gelbes Plasmodium: Familie der Physaridae. Bei schwammiger Konsistenz liegt Fuligo septica nahe, bei aderigem Aussehen mit "Fortbewegungswulsten" könnte es Badhamia utricularis oder eine Art aus der Gattung Physarum sein. Alle sehr häufig in unseren Breiten. Es könnte aber auch Metatrichia vesparia oder Arcyria (sehr häufig!) sein.
  • Weißes Plasmodium, schwammig: Schauen, ob gelbe Ränder zu erkennen sind, dann ist es vermutlich Fuligo septica (sie werden häufig weißlich kurz vor der Fruktifikation)
  • Weißes Plasmodium und nicht Fuligo septica: Hier wird es schwierig. Vermutlich ein Schleimpilz aus der Familie Didymiidae. Auch Trichia ist möglich und viele andere Arten.
  • Rotes Plasmodium: Vermutlich entweder Blutmilchpilz (Lycogala epidendrum, sehr häufig) oder auch Metatrichia
  • auffällige und ziemlich eindeutige Formen besitzen Ceratiomyxa fructiculosa, Stemonitis und Hemitrichia serpula

Bei Sklerotien ist die Einordnung ähnlich. Dennoch bleibt das eine Einordnung nach meiner Erfahrung und sicherlich ist sie relativ ungenau. Das liegt aber mit auch daran, das Plasmodien allgemein schwer einzuordnen sind.

Fruktifikationen einordnen (makroskopisch)

Das ist schon wesentlich leichter! Hier betrachtet man vor allem folgende Merkmale:

  • Farben
  • Größe
  • Gestielt / sitzend
  • Kugelförmige / längliche / gebogene Fruchtkörper
  • Wie dicht sitzen die einzelnen Fruchtkörper aneinander?
  • Wenn die Sporen schon "entladen sind": Ist ein Innengewebe (Fädchen) der Fruchkörper erkennbar?
  • Wenn Sporen zu sehen sind: Welche Farbe haben sie?

Am leichtesten ist es, mit Bildern zu vergleichen, die schon eindeutig zugeordnet sind. Als Tipp: auffällige und eindeutige Formen besitzen zum Beispiel Stemonitis, Ceratiomyxa, Arcyria, Physarum polycephalum, Badhamia utricularis, Metatrichia vesparia und Hemitirichia calcylata.

Zum Bildervergleich

Eine äußerst nützliche Seite ist zum Beispiel www.discoverlife.org, die auch stets aktualisiert wird und über eine immense Datenbank an Bildern, sortiert nach der Art, verfügt.

Hat man einen Verdacht, lohnt sich auch immer der Abgleich mit gängigen Suchmaschinen. Durch die Eingabe des Artennamens erlangt man meist erheblich mehr Treffer in der Bildersuche, als mit allgemeinen Suchbegriffen wie "Schleimpilz".

Besteht kein Verdacht auf eine Art, ist eine Suche mit allgemeinen Begriffen wie "Slime mold", "Myxomycetes", "Eumycetozoa" oder "Myxogastria" empfehlenswert, wobei die Suchergebnisse auf bestimmte Farben beschränkt werden sollten.